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12. Februar 1912: Das Ende von Chinas Monarchie

Mit dem Abdankungsedikt des sechsjährigen Kaisers Xuantong (宣統) am 12. Februar 1912 endete in China eine mehrtausendjährige Monarchie. Schweren Herzens unterzeichnete Longyu (隆裕), die Witwe des 1908 verstorbenen Kaisers Guangxu das Edikt für den kleinen Puyi (溥儀), so sein eigentlicher Vorname, der die Tragweite des Geschehens noch nicht verstehen konnte.

Damit fand die mandschurische Qing-Dynastie nach 267 Jahren ihr Ende. Ihre Fremdherrschaft über China war nach der republikanischen Revolution vom 10. Oktober 1911 innerhalb weniger Monate zusammengebrochen.

Puyis Zeit als Augustulus war abgelaufen. Mit jenem Edikt erkannte Kaiserinwitwe Longyu die Republik China als legitimes politisches Staatssystem an. Ein Jahr und zehn Tage später verstarb Longyu 45jährig, während die Republik gerade die ersten Wahlen für die beiden Parlamentskammern durchführte. An ihrer Trauerfeier nahm Vizepräsident Li Yuanhong (黎元洪) teil.

Puyi blieb zeitlebens eine bedauernswerte Marionette, zunächst restaurativer Kräfte, dann Japans und nach 1949 Mao Zedongs. Er starb 1967.

Zwei zentrale Persönlichkeiten sollten in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden: Sun Yatsen (孫逸仙) und Yuan Shikai (袁世凱).

Sun, Vorsitzender der republikanischen Tongmenghui (同盟會) bzw. ab 1913 der Zhongguo Guomindang (中國國民黨), war der Überzeugung, das chinesische Kaiserreich sei nicht reformfähig und müsse durch eine Revolution einer Republik weichen, welche in Etappen zu einem demokratischen Staat umgewandelt werden solle. Die Erfahrung, dass eine Verschwörung um Yuan Shikai im Jahr 1898 den reformfreudigen Kaiser Guangxu (光緒) gestürzt und seine „Hundert-Tage-Reformen“ beendet hatte, machte Yuan für die Revolutionäre nicht gerade zu einem Mann des Vertrauens.

Yuan, nach dem Tod der ihn protegierenden Kaiserwitwe Cixi gänzlich entmachtet, rief der Hof angesichts der vorrückenden Revolutionäre zurück und machte ihn zum Regierungschef.

Um Blutvergießen zu vermeiden, schlossen die Tongmenghui mit den Kaisertreuen auf Vorschlag Yuans einen Kompromiss, das Kaiserhaus solle unter Beibehaltung zahlreicher Privilegien zugunsten einer Republik abdanken. Auch solle nicht mehr Sun Yatsen als Präsident der von ihm am 1. Januar 1912 ausgerufenen Republik China, sondern Yuan selbst vorstehen.

Mit seinen Intrigen hatte Yuan somit 1898 die Hundert-Tage-Reform zunichte gemacht sowie 1912 die unbedarfte, führungsschwache Longyu über den Tisch gezogen. Er mauserte sich vom kaiserlichen Kanzler zum Präsidenten einer von ihm verachteten Republik. Doch unmittelbar nach den Wahlen 1913 putschte Yuan erneut. Diesmal bekämpfte er die neue parlamentarische Ordnung, zerschlug die Guomindang, die gerade einen Wahlsieg errungen hatte, und verfolgte ihre Mitglieder. In seiner Hybris ließ er sich im Dezember 1915 sogar zum Kaiser ausrufen, starb aber drei Monate später.

Literatur

Thomas Weyrauch: Chinas unbeachtete Republik. Band 1, S. 41 - 72.
http://www.dr-thomas-weyrauch.de/buecher/sachbuecher/chinas-unbeachtete-republik-band-1/index.html

Thomas Weyrauch: Chinas demokratische Traditionen, S. 45 - 97.
http://www.dr-thomas-weyrauch.de/buecher/wissenschaft/chinas-demokratische-traditionen-/index.html